Das Amphitheater in Trier

Wie wichtig die heutige Stadt Trier im Römischen Reich war, lässt sich an vielen noch heute erhaltenen Bauwerken dieser Stadt festmachen. Dazu gehört auch das Amphitheater der Stadt Augustus Treverorum. Denn ein Amphitheater war zur damaligen Zeit immer ein Prestigebau. Erst recht dann, wenn es für so viele Zuschauer wie dieses Amphitheater erbaut wurde.

Denn nach der Fertigstellung um 100 n. Chr. fanden etwa 18.000 bis 20.000 Zuschauer Platz im Rund des Amphitheaters. Hier fanden lange Zeit die berühmt-berüchtigten Brot und Spiele statt. Darüber hinaus konnten die Besucher Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe beobachten. Und auch Hinrichtungen fanden im Oval des Amphitheaters statt. Erst im Jahr 399 wurde die Gladiatorenschule vor Ort geschlossen, bevor 404 endlich per Edikt die Ausübung von Gladiatorenkämpfen untersagt wurde. Damit ging eine blutige Tradition zu Ende.

Das Amphitheater in trier als Modell

Die Besucher des Amphitheaters konnten auf insgesamt 26 Reihen Platz nehmen, die mit Steinsitzflächen ausgestattet waren. Einige davon sind sogar nummeriert, was darauf schließen lässt, dass Sitzplätze in der Arena sogar reserviert werden konnten. Damit es bei der Masse an Zuschauern nicht zu Paniken an den Ein- und Ausgängen kommen konnte, gab es insgesamt 3 Umlaufgänge, die genau diese Stauungen effektiv verhinderten.

Dabei erstaunt aber nicht nur dieser Sicherheitsaspekt am Bauwerk des Amphitheaters, sondern auch die wahrscheinlich bewusst gewählte Platzierung dieses Prestigegebildes. Denn das Amphitheater wurde am Hang des Petrisberges errichtet. Damit wurde die natürliche Hanglage für den Ostrang des Amphitheaters genutzt. Die abgetragene Erde wurde im Westen wieder aufgeschüttet und bildet den dortigen Rang.

Mit dieser Bauweise haben die Römer eine Menge Stein eingespart, die durch künstliche Erdanschüttungen ersetzt wurden. Aus Stein gebaut sind lediglich wenige Elemente des Amphitheaters. Dazu gehören die insgesamt 13 Türen, die von der Arena in die Hügel führen. Durch diese Öffnungen gelangt man heute wie damals in enge Steinkammern, in denen die Gladiatoren auf ihren Auftritt warteten. Auch die Tierkäfige wurden hier aufgestellt. Außerdem befinden sich im Süden und im Norden des Amphitheaters die offiziellen Eingangsportale aus Stein. Und natürlich war auch der eigentliche Arenabereich mit seiner ovalen Größe von 70 x 50 Metern durch eine Steinmauer von den Rängen abgetrennt. Diese Mauer war aus Sicherheitsgründen insgesamt 4 Meter hoch und zusätzlich durch eine Holzwand abgeschirmt, wie man sie noch heute aus den spanischen Stierkampfarenen kennt.

Ein weiteres Unikum an diesem Bau ist die Unterkellerung. Hier gab es zahlreiche Aufzüge und Hebebühnen, die sowohl Tiere als auch Darsteller schnell in die Arena geleiteten. Einer dieser Aufzüge war versteckt in der Mitte des Arenaovals eingelassen. In diesem kreuzförmigen Kellergewölbe kann heute noch der originale Holzbalken besichtigt werden, der ehemals eine Kolbenpumpe hielt. Diese Pumpe diente einerseits der Entwässerung der Arena in den nahegelegenen Olewiger Bach. Andererseits wird vermutet, dass mit dieser Pumpe auch Wasser in die Arena befördert wurde, um das viele Blut wegzuspülen.

Die bewegte Geschichte des Amphitheaters setzte sich auch nach der Schließung als Darstellungsort im Jahr 404 fort. Das Amphitheater wurde Bestandteil der römischen Stadtmauer und bildete das östliche Stadttor und damit einen wesentlichen Punkt in der Befestigung der römischen Stadt.

Im Mittelalter wurde das Amphitheater als Steinbruch missbraucht. Dieses Schicksal ereilte unzählige Gebäude in dieser geschichtsträchtigen Zeit. Später ging es hier ruhseliger zu, als das Amphitheater einen Weinberg beheimatete.

Heute werden unterhaltsame Führungen durch das Amphitheater angeboten. Diese werden von einem Gladiator geführt, der seinen Werdegang zum Besten gibt. Darüber hinaus gibt es hier gelegentlich Konzerte und andere Veranstaltungen, von denen besonders das Festival „Brot und Spiel“ sich großer Beliebtheit erfreut. Dabei handelt es sich um nachgestellt Gladiatorenkämpfe, die alljährlich im August stattfinden.

Übrigens sind es vom Amphitheater nur 500 Meter bis zu den Kaiserthermen, einem weiteren imposanten und beeindruckenden Bauwerk der Römer im heutigen Trier.

Das Foto des Modells stammt von Stefan Kühn und wurde unter der Creative Commons lizensiert.

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